SCR Altach im Gegnercheck

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Innsbruck,Austria,10.11.2018,FUSSBALL, Tipico Bundesliga, FC Wacker Innsbruck vs. SCR Altach. Photocredit: AlexPauli Photography

Nach den Niederlagen in den letzten Saisonspielen soll in der „Vorarlbergwoche“ der Knopf wieder aufgehen und die Mannschaft von Thomas Grumser wieder zu Punkterfolgen kommen. Die Altacher starteten gut in die Quali-Gruppe und konnten bisher zwei Siege und zwei Unentschieden einfahren. Das bedeutet derzeit den vierten Tabellenplatz. Sechs Punkte Vorsprung haben die Vorarlberger auf unseren FC Wacker Innsbruck.

Die beiden bisherigen Duelle im Grunddurchgang der Tipico Bundesliga konnten die schwarz-grünen für sich entscheiden: In der dritten Runde Anfang August konnte man durch Tore von Martin Harrer und Zlakto Dedic drei Punkte aus dem Ländle entführen, im November war es wieder Dedic, der den Goldtreffer beim 1:0 Sieg im Tivoli Stadion Tirol erzielte. Seit dem hat sich bei beiden Mannschaften sehr viel getan.

Der neue Trainer

Altach trennte sich am dritten März von Werner Grabherr, nachdem man sich auf dem letzten Tabellenplatz wiederfand. Für zwei Spiele übernahm der bisherige Co-Trainer Wolfgang Luisser das Traineramt, ehe man am 18 März mit Alex Pastoor den neuen Cheftrainer präsentierte. Luisser ging wieder auf den Co-Trainer-Posten zurück, für Pastoor stellte das Engagement beim SCR Altach auch eine Rückkehr nach Vorarlberg dar: Der 52-Jährige war 2001 als Fußballer in Altach aktiv und beendete dort seine Spielerkarriere.

Pastoor war bisher hauptsächlich in den Niederlanden als Trainer engagiert: Mit Excelsior Rotterdam konnte er 2010 in die Eredivise aufsteigen, kurze Zeit später war er für NEC Nijmegen zuständig. Nach einem verpatzten Start mit drei Niederlagen wurde er dort 2013 entlassen. Im März 2014 folgte der Wechsel nach Tschechien, wo er Slavia Prag vor dem Abstieg retten sollte. Pastoor übernahm die Mannschaft auf dem zehnten Tabellenplatz mit vier Punkten Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz und konnte den Hauptstadtklub mit einem Punkt Vorsprung auf die Abstiegsränge in der höchsten Spielklasse halten. Es folgte die Rückkehr in die Heimat, wo er Co-Trainer von Marco von Basten in Alkaar wurde. Seine letzte Station vor Altach sollte Sparta Rotterdam werden, wo er 2016 den Aufstieg in die Erevdivise schaffen sollte. Im Dezember 2017 wurde er dort entlassen, nachdem seine Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz stand. Im März 2019 folgte der Wechsel nach Österreich.

Der Trainerwechsel scheint einen positiven Effekt auf die Mannschaft zu haben: Im ersten Spiel der Quli-Gruppe wurde Mattersburg mit 2:1 besiegt, nach einem 1:1 Unentschieden auswärts gegen die Admira folgte ein 1:0 Auswärtssieg bei Hartberg. Vergangenen Samstag drängte man Rapid Wien an den Rand einer Niederlage, nach einer 2:0 Führung musste man in den Schlussminuten noch zwei Treffer hinnehmen. Macht einen bisherigen Schnitt von zwei Punkten pro Spiel.

Wachablöse im Angriff

Zuvor mussten die Altacher noch die langjährige Lebensversicherung und personifizierte Torgarantie in Person von Hannes Aigner verabschieden. Der mittlerweile 38-jährige Schwazer beendete seine aktive Karriere vor wenigen Wochen aufgrund von anhaltenden Sehproblemen. Insgesamt schoss Aigner 76 Tore in 172 Spielen für die Altacher.

Das Loch im Sturm wurde durch Mergim Berisha geschlossen. Der 20-jährige Kosovare wechselte in der Winterpause leihweise von Red Bull Salzburg nach Altach und zeigt sich vor allem seit Pastoors-Ankunft in Torlaune: In den vergangenen vier Spielen erzielte Berisha drei Treffer – insgesamt konnte er in acht Bundesliga-Einsätzen vier Tore und zwei Vorlagen beisteuern. Mit 36 geschossenen Toren wissen die Vorarlberger generell wo das Tor steht – zusammen mit Mattersburg und Hartberg stellt man den viertbesten Angriff der gesamten Liga.

Keine Rolle in den Plänen des Niederländers scheint Adrian Grbic zu haben: Der 22-jährige Stürmer (bisher vier Tore in der aktuellen Saison) und U21 Nationalteamspieler stand in keinem Spiel unter Pastoor im Kader.

4-4-2

Pastoor scheint seine Wunschelf nach wenigen Wochen schon gefunden zu haben, von Rotationen lässt er weitgehend ab: Im Tor steht mit Martin Kobras ein routinierter Spieler, der im Laufe der Saison Andreas Lukse als Stammtorhüter ablösen konnte. In der Verteidigung sind Kapitän Philipp Netzer und Benedikt Zech gesetzt. Die Außenpositionen bekleiden in der Regel Emir Karic bzw. Emanuel Schreiner links sowie Anderson bzw. Andreas Lienhart rechts. Ob letzterer einsatzfähig ist, steht noch nicht fest, Lienhart verletzte sich im Spiel gegen Rapid Wien.

Im Mittelfeld sind im Zentrum Samuel Oum Gouet sowie Jan Zwischenbrugger sowie Marco Meilinger gesetzt. Stefan Nutz bzw. Manfred Fischer spielen Meilinger am Flügel gegenüber. Ganz vorne stürmen Mergim Berisha und Christian Gebauer.

Jetzt erst recht

Unserer Mannschaft begegnet also ein selbstbewusstes Vorarlberger-Team. Die jüngsten Ergebnisse haben den Rheindörflern wieder Mut und Leben eingehaucht. Sechs Spiele sind noch zu spielen, sechs Punkte beträgt der Abstand zu Altach. Bei zwei Siegen würde man also mit den Altachern gleichziehen. Die von FCW-Trainer Thomas Grumser geforderten Grundtugenden des Fußballs, also hart in die Zweikämpfe gehen, hohe Laufbereitschaft zeigen und konzentriert auftreten, konnten vergangenen Samstag gegen Mattersburg wieder sichtbar gemacht werden. Nur – das Ergebnis stimmte nicht. Mit der letzten Konsequenz im Abschluss sollten auch Tore wieder fallen. Und am Ende auch Altach mit keinem weiteren Punktegewinn verabschiedet werden. Getreu dem Motto: „Gastfreundlich ja, Geschenke werden aber keine verteilt.“